Vergessenes Unrecht erinnern:
Die Aufarbeitung der NS-Verbrechen an psychisch kranken und behinderten Menschen in Südhessen und im Landkreis Darmstadt-Dieburg
Impulse für ein historisches Verständnis
Der Vortrag von Leonie Otters beleuchtet die historische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Medizinverbrechen an psychisch kranken und behinderten Menschen mit einem Schwerpunkt auf Südhessen und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, wobei auch Einblicke in vergleichbare Einrichtungen der weiteren Region einbezogen werden. Diese Verbrechen sind ein zentraler Bestandteil der deutschen Geschichte, doch das Wissen über ihre regionale Verankerung und die betroffenen Einrichtungen ist bis heute wenig verbreitet. Der Vortrag untersucht, welche Verbrechen in der Region begangen wurden, wie dieser Teil der Vergangenheit in der Region erforscht, dokumentiert und öffentlich gemacht wurde und welche Schwierigkeiten dabei auftraten. Dabei werden die Entwicklung der historischen Aufarbeitung seit den 1990er-Jahren sowie die lange gesellschaftliche Marginalisierung der Betroffenen thematisiert, die Anerkennung und Entschädigung erschwerte. Zugleich soll der Vortrag dazu beitragen, das Bewusstsein für dieses Kapitel der Regionalgeschichte zu vertiefen und seine Bedeutung für das heutige Geschichtsverständnis aufzuzeigen.
Zur Referentin:
Leonie Otters, M.A. Geschichte, ist Historikerin mit Schwerpunkt auf Erinnerungskultur und jüngerer deutscher Geschichte. Sie ist Sprecherin der Regionalen Arbeitsgruppe Südhessen des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Aufarbeitung von NS-Verbrechen. In ihrer Masterarbeit widmete sie sich der Erinnerungskultur in der Nieder-Ramstädter Diakonie. Derzeit arbeitet sie am Projekt „Buber Korrespondenzen digital“ an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.